Das Mysterium Achtsamkeit

 

 

 

 

In die Achtsamkeit einzuführen ist das Ziel aller spirituellen Wege. Alle spirituellen Wege kennen die Achtsamkeit im Umgang mit Dingen, mit Menschen und mit dem Augenblick. Wenn wir achtsam sind, achten wir auf alles, was wir tun. Wir leben nicht einfach dahin. Wir sind ganz bei dem, was wir in die Hand nehmen. Wir nehmen wahr, was gerade ist.

Wenn wir uns beispielsweise mit Achtsamkeit waschen, wird uns bewusst, welches Geheimnis das Waschen ist. Wir reinigen uns von allem Schmutz, nicht nur von äußerem Schmutz, sondern vor allem von unserer inneren emotionalen Verschmutzung. Wir reinigen uns von dem, was unser ursprüngliches und unverfälschtes Bild trübt. Wir spüren das Wasser, das uns erfrischt und alles abwäscht, was unser wahres Bild verstellt.

Unser Wort „achtsam“ kommt von der indogermanischen Wurzel „ok“, das „nachdenken, überlegen“ bedeutet. Achtsam sind also Menschen, die bei dem, was sie tun, überlegen, was da eigentlich geschieht. Sie leben nicht gedankenlos, sondern bewusst.

Manche Menschen entfernen sich in Gedanken von dem, was sie tun. Sie gehen spazieren, sind aber in Gedanken ganz woanders. Sie achten nicht auf den Weg, den sie gehen, oder auf die Schritte, die sie tun. Sie gehen vielmehr in den Räumen ihrer Fantasie spazieren.

Achtsamkeit würde bedeuten, dass wir ganz im Gehen sind. Wir nehmen jeden Schritt wahr. Was heißt gehen? Wir berühren die Erde – und gehen weiter. Wir bleiben nicht hängen. Gehen heißt, immer weiter zu gehen, nicht auszuruhen auf dem Erreichten, sondern im Gehen sich zu wandeln.

Achtsamkeit hat auch mit Erwachen zu tun. Viele Menschen meinen, sie seien wach, in Wirklichkeit schlafen sie jedoch. Sie nehmen die Wirklichkeit nicht wahr, wie sie ist. Der indische Weisheitslehrer Anthony de Mello meint, Mystik sei Aufwachen zur Wirklichkeit. Manche Menschen verwechseln Mystik mit frommen Fantasiebildern. Sie flüchten sich in fromme Gedanken, um der Wirklichkeit auszuweichen. Die wahre Achtsamkeit besteht jedoch darin, aufzuwachen, endlich die Augen zu öffnen und die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie in Wahrheit ist.  

In dem deutschen Wort „achten“ steckt auch die „Hochachtung“, die Wertschätzung. Wenn wir achtsam mit den Dingen umgehen, dann achten wir sie, dann sind sie uns wertvoll. Alles ist Schöpfung Gottes und uns von ihm geschenkt. Im Thomasevangelium sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Spaltet ein Stück Holz – ich bin da. Hebt den Stein auf und ihr werdet mich dort finden.“

 

 

Anselm Grün

Impressionen:

Johannes Bieder

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